Die Währung unseres Tauschringes
Money creation in LETS
This concept is available in German language only. English version will follow soon.
Sicherer als Geld |
Dieser Artikel beschreibt Details der Verrechnung von Leistung im Tauschring
Bambali, einem überregionalen Tauschsystem. Es wird eine Formel beschrieben,
die einerseits der Ausschüttung von Tauschmitteln dient, andererseits
Inflation und Tauschmittelabwanderung entgegenwirkt. Einsatzbereich sind
rein digitale (virtuelle) Wirtschaftssysteme. Das Verfahren geht aus einer
Diskussion im Forum der Webseite Systemfehler.de hervor, und es wurde eigens für
die Verwendung in unserem Tauschring weiterentwickelt.
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Die Verrechnungseinheit “Bam” |
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Bei Bambali dient der Bam als Verrechnungseinheit. Er übernimmt die Aufgabe der in
vielen Tauschringen üblichen "Talente" oder "Taler". Bam steht für
Bambali Alternative Money, wodurch das Ziel klar abgesteckt ist: diese
Tauschring-Währung soll die vorherrschenden Währungen ergänzen, und
eine echte Alternative für all jene darstellen, die nicht genügen
"gesetzliche Zahlungsmittel" (also nicht genug Geld) zur Verfügung haben.
Der Bam ist eine rein virtuelle Währung, d.h. es gibt weder Papiergeld
noch offizielle Schuldscheine oder Verrechnungsscheine, die auf Bam-Beträge
lauten. Das ist im Zusammenhang des Bambali-Tauschsystems ein großer
Vorteil: es gibt kein umläufiges Vermögen, das gehortet
oder in Portemonaies dem Tauschsystem vorenthalten wird. Ein weiterer Vorteil ist,
dass immer der aktuelle Stand an umläufigem Vermögen bekannt ist, um
die Menge der umläufigen Tauschmittel sehr direkt regeln zu können.
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Unterschied: Bam -> Papiergeld |
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Der Bam wird direkt von einem Konto auf ein anderes Konto überwiesen:
Entweder, jemand investiert Bam direkt von seinem Tauschkonto in einen
Tauschhandel, oder jemand empfängt Bam durch einen Tauschhandel
direkt auf seinem Tauschkonto. Die schwer erfassbare Größe
der inaktiven Tauschmittel (wer weiß schon, was die anderen in
ihren Portemonnaies haben) ist damit eliminiert.
Die herkömmlichen Tauschringe besitzen natürlich auch kein
eigenes Papiergeld, jedoch wird häufig eine Art Schuldschein eingesetzt:
Der Verrechnungsbeleg. Diese Belege wechseln den Besitzer, werden gelagert
und irgendwann an das Tauschringbüro abgegeben. Erst wenn sie diese
letzte Station erreicht haben, fließen die Tauschmittel. Dieses
träge Verhalten macht die zeitnahe Beurteilung der Vermögensverhältnisse
innerhalb der Tauschsysteme sehr schwierig und kann für Fehler sorgen.
Durch verzögerte Verrechnungsbelege lassen sich sogar - genügend
kriminelle Energie vorausgesetzt - beispielsweise wirtschaftliche Vorteile
im System bewirken: Konten lassen sich ins Bodenlose überziehen.
Das ist nur ein Seiteneffekt herkömmlicher "Zettelwirtschaften",
hier geht es aber um den Bam, eine Währung der dieses Phänomen
zumindest nicht anhaftet, solange sie rein virtuell ist.
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Der Geldschöpfungs-Prozess |
| Angelehnt an das Prinzip vieler Tauschringe und sogar gegenwärtiger
Landeswährungen, entsteht der Bam erst durch Kredite. Jeder Teilnehmer
erhält den gleichen Kredit in Höhe einiger Bam. Mit diesem Tausch-Dispo, der jedem Vollmitglied gewährt wird, können Schulden bei anderen
Mitgliedern bezahlt werden. Die Kredite sind (genau wie die Guthaben) unverzinslich.
Eine Gefahr im überregionalen Tauschhandel ist die unerwünschte
Abwanderung von Zahlungsmitteln, und daraus resultierend eine Lähmung
des Tauschhandels innerhalb bestimmter Regionen bzw. Teilnehmergruppen.
Für Bambali wurde deswegen eine Kreditformel entwickelt, die im
Groben nur dem Zweck dient, Verknappung von Zahlungsmitteln als Resultat
der Überschuldung einzelner Teilnehmer(gruppen) zu vermeiden. Jedes
Zahlungsmittel, das in Form von Guthaben auf einem Konto eines beliebigen
Teilnehmers liegt, wird der Gemeinschaft in Form einer Krediterhöhung
wieder zugeführt. Dadurch wird die Kaufkraft im System dann erhöht,
wenn viele Tauschmittelbewegungen statt finden oder wenn die Kontoständer
sehr unterschiedlich sind (also das System unausgeglichen ist).
Die Kreditformel für jeden Teilnehmer lautet gleichermaßen:
KreditLimit = KreditBasis + Allgemeines Guthaben / Teilnehmerzahl
...mit:
- KredtiBasis = der minimale Kredit, den jeder Teilnehmer garantiert
bekommt und
- Allgemeines Guthaben = die Summe aller positiven Kontostände
Vereinfacht heißt das:
Der Kreditrahmen der einzelnen Teilnehmer wird so weit erweitert, dass
alles Guthaben auch in Form von Krediten zur Verfügung steht.
Der positive Effekt der Kreditformel soll im nachfolgend beschriebenen
Grenzfall erläutert werden.
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Betrachtung der Kreditformel im Grenzbereich bei zwei Teilnehmern |
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Der einfachste Tauschhandel kann zwischen zwei Teilnehmern stattfinden.
Angenommen ein Teilnehmer transferiert all seine Liquidität an
den anderen Teilnehmer, wodurch ein Konto Guthaben verzeichnet:
Konto1 = -KreditBasisAlt (=Schulden)
Konto2 = KreditbasisAlt (=Guthaben)
KreditBasisNeu = KreditBasisAlt + KreditBasisAlt / 2
Mit einer alten KreditBasis von 100 Bam sähe das so aus:
Konto1 = -100 Bam
Konto2 = 100 Bam
KreditBasisNeu = 100 Bam + 50 Bam
Die Kreditbasis erhöht sich um Faktor 1,5 (von 100 Bam auf 150
Bam) - die Liquidität des Schuldners ist damit nur halbiert (von
100 Bam auf 50 Bam), obwohl er den ursprünglichen Kreditrahmen
vollkommen ausgereizt hat, und in herkömmlichen Tauschsystemen
damit zahlungsunfähig wäre. Die veräußerten Tauschmittel
bringen den Tauschkreis in keiner Richtung - weder vom Schuldner zum
Gläubiger noch anders herum - zum Erliegen.
Allerdings hat die oben beschriebene extreme Transaktion von 100% Liquidität
zum Gläubiger die Konsequenz, dass sich die Liquidität des
Schuldners verringert: Er wird sich nicht mehr so viel leisten, wie
das vorher der Fall war. Vielmehr wird er bemerken, dass ihm die Mittel
ausgehen. Geld verknappt auf diese Weise in verschuldeten Regionen stufenlos
so lange, bis die Region sich keine Güter aus reicheren Regionen
mehr leisten kann. Der Warenzufluss aus den reicheren Regionen stagniert
(und damit auch der Tauschmittelabfluss aus den schwächeren Regionen).
Die Schwache Region ist aber nicht tauschmittellos, und bleibt intern
handlungsfähig (bzw. tauschfähig).
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Projektion des Grenzfalls auf realistische Szenarien |
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Dieses Szenario wird nur dann vorkommen, wenn extreme äußere
Einflüsse wie z.B. Katastrophen eintreten. In einem System mit
vielen Teilnehmern und normalen marktwirtschaftlichen Schwankungen hingegen
wird die Kreditformel dafür sorgen, dass sich Preise im gewissen
Rahmen dem Markt anpassen, und regionale Preisunterschiede möglich
sind. Entzieht z.B. eine Region einer anderen die Tauschmittel, so wird
das nur bis zu einem gewissen Grad geschehen. Dann entsteht in der schwächeren
Region eine allmälige Verknappung der Tauschmittel, resultiert
in der oben beschriebenen Reduktion an Waren- und Dienstleistungsimporten
(man kann sich diese Importe nur in Grenzen leisten) und dadurch eine
allmälige Stärkung der schwachen Region.
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Schöne Theorie |
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Richtig, das ist bislang eine theoretische Überlegung, die es
zu beweisen oder widerlegen gilt. Möglicherweise kann man sie auch
nur im Experiment belegen bzw. widerlegen. Trotzdem sollten vielseitige
Überlegungen schon vor Ihrem weitflächigen Einsatz angestellt
werden. Mit der Verrechnungseinheit des Tauschring Bambali steht eine
sorgfältig konstruierte Tauschwährung zur Diskussion, die gerne
auch von anderen Tauschringen als Vorbild aufgegriffen und weiterentwickelt
werden darf.
Wer jetzt neugierig auf das Thema Geld geworden ist, kann in der Wikipedia
mehr darüber erfahren. _________________
T. Sasse
Tauschring Bambali
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